Normalerweise schreibe ich einen Roman so: Ich habe eine Idee, kaue darauf in Gedanken ein paar Tage bis Wochen herum und setze mich dann eines Tages (oder Nachts) hin, öffne ein neues Dokument im Schreibprogramm und lege los.

Tja.

Da das die letzten drei Male eher desaströs endete, muss etwas Neues her. Nicht, weil ich meinem Bauchschreiber nicht vertraue. Der ist immer noch da und macht tolle Arbeit. Ich glaube aber, dieser Bauchschreiber braucht aktuell einfach Unterstützung, denn seit ich nicht mehr so selig und frei über meine Zeit verfügen kann wie früher, ist gerade die Schreibzeit rar gesät. Und manchmal kommt man auch ein paar Tage gar nicht zum Schreiben. Das ist per se schon blöd, aber als Bauchschreiber, die davon leben, einen ersten Entwurf in einem Rutsch zu schreiben, ist es doppelt blöd, denn im Alltagsgeschäft zwischen Windelwechsel, Kleinkind ins Bett legen, Haushalt und Paarzeit verliert man viel zu leicht den aktuellen Roman aus dem Blick. Hat man dann mal eine halbe Stunde zum Schreiben, braucht man mindestens 35 Minuten, um wieder in den Text reinzukommen. Ihr seht mein Dilemma?

Weil ich aber die Extremplanermethode, wie sie zum Beispiel Autoren wie Robert Ludlum anwenden (100 Seiten Szenen entwerfen, bevor man anfängt zu schreiben?! Help!) auch nicht so prickelnd finde, musste ein Zwischending her. Und da ist die Schneeflockenmethode für mich ideal, und zwar in zweierlei Hinsicht.

Erstens: Man fängt mit einer Idee an. Einer klar umrissenen, kurzen Idee.

Das kommt mir deshalb entgegen, weil ich oft genau diese Ideen habe. Zum Beispiel: Eine Weihnachtsgeschichte schreiben, die in New Harbor spielt (die kommt übrigens nicht diesen Herbst, so sorry!). Okay, bei der Schneeflockenmethode macht man das etwas anders. Man schreibt einen Satz im Stile von „ein Mann kommt in die Stadt und schießt (und danach sind alle tot)“, es wird also der Fokus auf die Hauptperson gelegt, die etwas Bestimmtes tut, und dann resultiert etwas daraus oder passiert.

Aus diesem Satz entwickelt man dann in insgesamt 10 Schritten seinen Plot und seine Charaktere. Und zwar parallel. Im Schritt 2 geht es darum, aus dem einen Satz einen Absatz zu machen, der die dramatische Struktur der Geschichte berücksichtigt. Das ist für mich schon eine Herausforderung, denn bisher wusste ich immer, wo Anfang und Ende der Geschichte sind, und was dazwischen lag, war ein diffuser Nebel voller aufregender Entwicklungen (auch für mich). Aber hier muss ich mich schon zu meiner Geschichte bekennen und erste Schwerpunkte setzen.

Im dritten Schritt beschäftigt man sich mit den wichtigsten Figuren des Romans. Bei meinem aktuellen Projekt sind es bisher drei, es könnten aber auch mehr werden, ich weiß es noch nicht so genau. Denn das ist der Clou bei dieser Methode: ich kann auch zurückgehen und etwas ändern. Kann ich natürlich auch, wenn ich den Roman schreibe, aber habt ihr schon mal versucht, nach 300 Seiten einen Roman umzuschreiben? Es klingt sehr viel beängstigender als einen Satz und einen Absatz über fünf Sätze neu zu bearbeiten. Und es ist beängstigender. Und entmutigend, ehrlich gesagt.

Ich arbeite mich also durch die einzelnen Schritte der Schneeflocken und hoffe, ich habe am Ende alle zehn brav absolviert und dann einen Kapitelplan vorliegen, der mir ein zügiges Schreiben der Rohfassung erlaubt. Inzwischen habe ich Schritt 5 erreicht. Ich hinke (natürlich!) meinem Zeitplan hinterher, weil ich zwei Tage krank war, weil ein Abgabetermin plötzlich noch viel dringlicher ist als ich intern abgespeichert hatte, und überhaupt. Aber das macht nix. Anders als bei einem Roman verzeiht die Schneeflockenmethode das.

Beim Romanschreiben kommt man nämlich ohne Plan echt schnell vom Weg ab. Vor allem, wenn man sich mal zwei, drei Tage Pause gönnt. Und ehrlich gesagt – mit einem quirligen Kleinkind und Haushalt und Partner (und Freunde hat man ja auch noch …) ist die Schreibzeit rar gesät. Ich würde so gern mehr machen.

Aber davon dann beim nächsten Mal mehr. Dann berichte ich auch, wie’s mir mit den Schneeflocken ergangen ist. Bis dahin könnt ihr euch ja schon mal auf Elise* und Leo* freuen.

* keine Ahnung, ob die Namen bleiben. Aber sie klingen doch hübsch, oder?