Die Schneefallgrenze – Ein Roman entsteht (3)

Ich schrieb beim letzten Mal recht begeistert davon, wie simpel es ist, wenn ich mit der Schneeflockenmethode plotte. Das funktionierte für mich hervorragend bis ungefähr zur Mitte dieser Methode. So ab Schritt 6/7 wurde es aber mühsam für mich. Ich erzähle euch mal, warum das so ist und welche Konsequenz für mich daraus erwuchs.

Was gut funktionierte an der Schneeflockenmethode waren die ersten Schritte. Also ein Satz, der die Geschichte umreißt, kleine Charakterstudien, ein ganzer Absatz und so weiter. (Wer mehr über die Methode lesen möchte, dem lege ich diesen informativen Wikieintrag beim dsfo nahe: Schneeflocken-Methode.) Vorher habe ich mich einfach hingesetzt und losgeschrieben, was ja auch sehr gut funktioniert hat, wobei ich mich aber regelmäßig in der Mitte verheddert habe. Was nicht schlimm war, es wurde nur schwieriger, die Geschichte so zu erzählen, wie ich sie erzählen wollte. Vorbereitung ist alles.

Hier schaffte ich also eine Synopsis, ich konnte mir über die Motivation der Figuren klar werden, ich sah vieles schon sehr deutlich vor meinem inneren Auge. Die Finger juckten schon. Dann kam ein Schritt, bei dem man aus fünf Absätzen (ungefähr eine Seite) eine Inhaltsangabe über ca. 4-5 Seiten machen sollte, dicht gefolgt von den Charakterbögen aller Beteiligten.

Uff. Äh, nein. Da habe ich kapituliert. Ich war von so viel Vorarbeit überwältigt, und vielleicht ist das nur logisch, wenn man die ersten zwanzig Jahre seines Schriftstellerlebens nur „from the pants“ (also aus dem Bauch heraus) geschrieben hat. Die Vorstellung, jedes winzigste Fitzelchen meines Romans schon jetzt aus mir herauszukitzeln, bevor ich auch nur einen Satz geschrieben habe, fand ich – vorsichtig formuliert – lähmend. Ermüdend. Wo bleibt da die Spannung beim Schreiben? Wo bleibt der Spaß, die Überraschung?

Ich übersprang also diese beiden Schritte und ging zum Szeneplan weiter. Da schreibt man dann, was in den einzelnen Szenen passiert, und ich merkte, dass mein Roman entweder schwach auf der Brust ist (und dann wäre er nach 200 Seiten schon zu Ende, was ich persönlich ja sehr schade fände!) oder schlicht das Überraschungsmoment der Nebenhandlungen noch in meinem Unterbewusstsein vergraben ist. Jedenfalls kam ich auf knapp 50 Szenen. Die schrieb ich auch brav auf, es dauerte eine ganze Woche, die ich abends damit zubrachte (und leise vor mich hin fluchte, weil ich immer noch keine Ahnung hatte, ob mich das auch nur annähernd zum Ziel bringen wird). Das ist der aktuelle Stand. Ich habe einen Szenenplan, ich habe meine Protagonisten, deren Charakterbögen ich beim Schreiben ausfüllen werde (Haarfarbe, Augenfarbe, usw. – ihr wisst schon!), ich habe einen straffen Zeitplan, der mir wie ein Gummiband vermutlich schon in einer Woche um die Ohren fliegen wird. Ich habe Lust auf dieses Buch und hoffe, dass nicht nur die Lust mitspielt (dank meiner Vorarbeit), sondern auch die Zeit, denn „nebenher“ muss ich ja aktuell noch eine Übersetzung fertig machen. Und danach ein Verlagsbuch schreiben, uff.

Das soll aber nicht vom Wesentlichen ablenken. Ich bin soweit! Ich schreibe bald los! Ist das aufregend oder ist das aufregend? Die Newsletterabonnenten haben schon einen kleinen Ausblick aufs Cover und auf den Titel bekommen – und wenn’s mit dem Schreiben so gut klappt, werde ich euch schon bald einen kleinen Ausblick auf den Inhalt bieten und schnellstmöglich auch eine XXL-Leseprobe. Der Countdown läuft, meine Lieben, und ich bin so aufgeregt!

Erwähnte ich, dass ich aufgeregt bin? Nein? 😉 Ach!

 

Die Schneeflockenmethode – Ein Roman entsteht (2)

Normalerweise schreibe ich einen Roman so: Ich habe eine Idee, kaue darauf in Gedanken ein paar Tage bis Wochen herum und setze mich dann eines Tages (oder Nachts) hin, öffne ein neues Dokument im Schreibprogramm und lege los.

Tja.

Da das die letzten drei Male eher desaströs endete, muss etwas Neues her. Nicht, weil ich meinem Bauchschreiber nicht vertraue. Der ist immer noch da und macht tolle Arbeit. Ich glaube aber, dieser Bauchschreiber braucht aktuell einfach Unterstützung, denn seit ich nicht mehr so selig und frei über meine Zeit verfügen kann wie früher, ist gerade die Schreibzeit rar gesät. Und manchmal kommt man auch ein paar Tage gar nicht zum Schreiben. Das ist per se schon blöd, aber als Bauchschreiber, die davon leben, einen ersten Entwurf in einem Rutsch zu schreiben, ist es doppelt blöd, denn im Alltagsgeschäft zwischen Windelwechsel, Kleinkind ins Bett legen, Haushalt und Paarzeit verliert man viel zu leicht den aktuellen Roman aus dem Blick. Hat man dann mal eine halbe Stunde zum Schreiben, braucht man mindestens 35 Minuten, um wieder in den Text reinzukommen. Ihr seht mein Dilemma?

Weil ich aber die Extremplanermethode, wie sie zum Beispiel Autoren wie Robert Ludlum anwenden (100 Seiten Szenen entwerfen, bevor man anfängt zu schreiben?! Help!) auch nicht so prickelnd finde, musste ein Zwischending her. Und da ist die Schneeflockenmethode für mich ideal, und zwar in zweierlei Hinsicht.

Erstens: Man fängt mit einer Idee an. Einer klar umrissenen, kurzen Idee.

Das kommt mir deshalb entgegen, weil ich oft genau diese Ideen habe. Zum Beispiel: Eine Weihnachtsgeschichte schreiben, die in New Harbor spielt (die kommt übrigens nicht diesen Herbst, so sorry!). Okay, bei der Schneeflockenmethode macht man das etwas anders. Man schreibt einen Satz im Stile von „ein Mann kommt in die Stadt und schießt (und danach sind alle tot)“, es wird also der Fokus auf die Hauptperson gelegt, die etwas Bestimmtes tut, und dann resultiert etwas daraus oder passiert.

Aus diesem Satz entwickelt man dann in insgesamt 10 Schritten seinen Plot und seine Charaktere. Und zwar parallel. Im Schritt 2 geht es darum, aus dem einen Satz einen Absatz zu machen, der die dramatische Struktur der Geschichte berücksichtigt. Das ist für mich schon eine Herausforderung, denn bisher wusste ich immer, wo Anfang und Ende der Geschichte sind, und was dazwischen lag, war ein diffuser Nebel voller aufregender Entwicklungen (auch für mich). Aber hier muss ich mich schon zu meiner Geschichte bekennen und erste Schwerpunkte setzen.

Im dritten Schritt beschäftigt man sich mit den wichtigsten Figuren des Romans. Bei meinem aktuellen Projekt sind es bisher drei, es könnten aber auch mehr werden, ich weiß es noch nicht so genau. Denn das ist der Clou bei dieser Methode: ich kann auch zurückgehen und etwas ändern. Kann ich natürlich auch, wenn ich den Roman schreibe, aber habt ihr schon mal versucht, nach 300 Seiten einen Roman umzuschreiben? Es klingt sehr viel beängstigender als einen Satz und einen Absatz über fünf Sätze neu zu bearbeiten. Und es ist beängstigender. Und entmutigend, ehrlich gesagt.

Ich arbeite mich also durch die einzelnen Schritte der Schneeflocken und hoffe, ich habe am Ende alle zehn brav absolviert und dann einen Kapitelplan vorliegen, der mir ein zügiges Schreiben der Rohfassung erlaubt. Inzwischen habe ich Schritt 5 erreicht. Ich hinke (natürlich!) meinem Zeitplan hinterher, weil ich zwei Tage krank war, weil ein Abgabetermin plötzlich noch viel dringlicher ist als ich intern abgespeichert hatte, und überhaupt. Aber das macht nix. Anders als bei einem Roman verzeiht die Schneeflockenmethode das.

Beim Romanschreiben kommt man nämlich ohne Plan echt schnell vom Weg ab. Vor allem, wenn man sich mal zwei, drei Tage Pause gönnt. Und ehrlich gesagt – mit einem quirligen Kleinkind und Haushalt und Partner (und Freunde hat man ja auch noch …) ist die Schreibzeit rar gesät. Ich würde so gern mehr machen.

Aber davon dann beim nächsten Mal mehr. Dann berichte ich auch, wie’s mir mit den Schneeflocken ergangen ist. Bis dahin könnt ihr euch ja schon mal auf Elise* und Leo* freuen.

* keine Ahnung, ob die Namen bleiben. Aber sie klingen doch hübsch, oder?

Kickoff: Ein Roman entsteht. (1)

Ich lese total gerne Schreibratgeber.

Nach mehr als 40 Romanen in verschiedenen Genres und verschiedenem Umfang weiß ich vielleicht so ungefähr, wie man Romane schreibt. Das hält mich aber nicht davon ab, mich ständig weiterentwickeln zu wollen und damit auch mein Schreiben voranzubringen.

So kam ich auf „meine“ neue Plotmethode, die ich beim nächsten Roman ausprobieren möchte. Drüben bei Facebook habe ich euch ja schon erzählt, dass ich aktuell kleine Entscheidungsfindungsprobleme hatte, welchen Roman ich als nächstes für euch schreibe. Die Entscheidung ist gefallen, und damit beginnt die Arbeit.

Bisher war ich ein absoluter Bauchschreiber. Ich hatte eine ungefähre Idee, setzte mich hin und schrieb los. Das funktionierte ganz fabelhaft! Leider habe ich zuletzt drei Romananfänge einfach nur versemmelt, sie klangen in meinen Ohren so „blöd“, dass ich die Lust daran verlor. Das passiert Bauchschreibern vielleicht häufiger als den peniblen Planern, aber es passierte mir zu oft für das ganze Gedränge an Geschichten in meinem Kopf. Da ich aber auch nicht so richtig der Typ für ausgiebiges Planen bin (und keine Lust habe, 50 oder mehr Seiten Kapitelpläne zu schreiben), habe ich, als ich die Schneeflockenmethode nach Randy Ingermanson entdeckte, ein bisschen jubiliert.

Wobei „entdecken“ zu viel gesagt ist. Ich kenne sie nämlich schon ziemlich lange, ich fand sie nur bisher immer blöd, weil (siehe oben!) ich doch alles aus dem Bauch heraus schreibe. Aber da das zuletzt nicht so gut funktioniert hat, möchte ich mal was Neues probieren.

Und ich möchte auch darüber erzählen, wie das so läuft. Eine Artikelreihe, in loser Folge, in der ich von meinen einzelnen Schritten und Rückschritten berichte.

Denn ich nehme auch nicht jeden Ratschlag an, den ich in irgendwelchen Büchern lese. In einem stand (sinngemäß): Erzähl bloß niemandem, dass du ein Buch schreibst, bis es fertig ist.

Tja. Vorhang auf für meinen nächsten Roman! Er wird der Auftakt einer Reihe sein, die in Boston spielt, und in dieser Reihe dreht sich alles irgendwie um ein kleines Café. Die Idee schwirrt mir schon länger durch den Kopf. Jetzt ist es an der Zeit, sie rauszulassen und mit ihr mindestens 250 prall gefüllte Seiten Unterhaltung. Ich freu mich drauf!